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Thema: Politik, Soziales, Umwelt

Was die Kasse zahlt – und was nicht

Behandlung im Ausland, Unterstützung im Haushalt oder eine Kur – worauf gesetzlich Versicherte Anspruch haben
von Christian Andrae, aktualisiert am 01.12.2015

Kohle von der Krankenkasse: Für Leistungsansprüche gibt es klare Regelungen

Ingram/RYF

Die Zeiten, in denen die Krankenkassen "schon zahlen werden", sind vorbei. Mit dem Sparzwang im Nacken wurde Reform für Reform am Fünften Sozialgesetzbuch, dem Leistungskatalog der Kassen, vollzogen. Bis es so wurde, wie es heute ist: vielsagend wie ein Ultraschallbild von 1989. Das verunsichert. Vieles muss beantragt werden, vieles wird abgelehnt. Und viele geben auf.

Wir haben uns mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auseinandergesetzt. Das Ergebnis: Sie sind nach wie vor umfangreich. Allerdings ist durch Anträge und andere Einschränkungen manchmal etwas Durchhaltevermögen gefordert. Andererseits zahlen Kassen – dem Wettbewerb untereinander geschuldet – sogar Leistungen, die sie ­zumindest per Gesetz nicht zu erbringen hätten.

Kuren

Sie gibt es nach wie vor. Allerdings wurde der Begriff "Kur" aus dem Sozialgesetzbuch gestrichen und durch "medizinische Vorsorge und Rehabilitation" ersetzt. Eine Kur muss immer beantragt und durch einen Kassenarzt medizinisch begründet werden. Als Rehabilitationsmaßnahme kann eine Kur alle vier und als ambulante Vorsorgeleistung alle drei Jahre beantragt werden. Mutter- oder Vater-Kind-Kuren gehören zu den Pflichtleistungen der Kassen. Der gesetzliche Eigenanteil beträgt zehn Euro je Kurtag. Einige Versicherungen bezuschussen im Rahmen ihrer Präventionsmodelle jedoch auch Privatkuren. Erkundigen Sie sich rechtzeitig bei Ihrer Kasse. 

Hörhilfen, Prothesen und mehr

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf Hörhilfen, Prothesen und viele weitere Hilfsmittel – sofern sie von einem Kassenarzt verschrieben wurden. Ebenso zu den Pflichtleistungen zählen die Wartung sowie eine Schulung für den Umgang mit entsprechenden Geräten, etwa ein Rollstuhltraining.   

Krankengeld

Die GKV übernimmt nicht nur Kosten, die durch die Behandlung einer Erkrankung entstehen. Sie zahlt auch die wegen der Krankheit fehlenden Einkünfte. Normalerweise muss der Arbeitgeber in den ersten sechs Wochen der Krankheit den vollen Lohn auszahlen. ­Danach springt die Kasse ein und übernimmt 70 Prozent des Bruttoeinkommens. Dieses Krankengeld kann 78 Wochen in drei Jahren gezahlt werden. Anspruch darauf haben jedoch nur Versicherungsnehmer, die auch selbst Beiträge leisten.

Übernahme von Fahrtkosten

Fahrtkosten werden von den Kassen inzwischen in den ­seltensten Fällen übernommen. Einen Anspruch darauf haben: Schwerbehinderte, zum Beispiel Menschen mit starker ­Gehbehinderung oder Blindheit; pflegebedürftige Menschen (Stufe II und III) sowie Krebspatienten für die Strahlen- oder Chemotherapie und Nierenkranke für die Dialyse.

Reiseimpfungen

Cholera, Hepatitis A, Typhus: Für gewisse Reiseziele empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts bestimmte Schutzimpfungen. Wer aus beruflichen Gründen entsprechende Länder bereist, für den muss der Arbeitgeber die vollständigen Kosten übernehmen. Wer allerdings aus privaten Gründen verreist, der muss die Impfung in der Regel aus der eigenen Tasche bezahlen. Aber auch hier übernehmen einige Kassen aus Wettbewerbsgründen freiwillig die Kosten. Informieren Sie sich bei Ihrer Versicherung.

Unerfüllter Kinderwunsch

Paare mit unerfülltem Kinderwunsch werden von den Kassen unterstützt – unter ganz ­bestimmten Voraussetzungen: Grundsätzlich haben nur verheiratete Paare einen Anspruch darauf. Beide Partner müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Die Frau darf höchstens 40 und der Mann 50 Jahre alt sein. Eizelle und Samen müssen von dem Ehepaar selbst stammen. Die GKV trägt dann Hälfte der Kosten der künstlichen ­Befruchtung, aber nur für maximal drei Versuche. Bund und ­Länder können den Paaren zusätzlich helfen. Näheres dazu ­unter: www.informationsportal-kinderwunsch.de.

Im Ausland

Wer seinen Urlaub in der Europäischen Union verbringt, ist in vollem Umfang versichert. In Griechenland kann es jedoch vorkommen, dass die Versichertenkarte abgelehnt wird. Die GKV übernimmt dann nachträglich die Behandlungskosten. Mit Island, Liechtenstein, Norwegen, Israel, Tunesien, der Schweiz und der Türkei wurden spezielle Abkommen getroffen. In anderen Staaten kann die GKV für maximal sechs Wochen im Jahr die Kosten für dringend erforderliche Behandlungen übernehmen – wenn man etwa nachweisbar von einem privaten Versicherer aufgrund von Alter oder Vorerkrankung abgelehnt wurde. Sind bestimmte Behandlungen nur außerhalb des EU-Wirtschaftsraums möglich, kann auch hier die GKV die Kosten teilweise oder auch ganz übernehmen.

Geschlechtsangleichung

Manche Menschen fühlen sich im falschen Körper geboren. Lindert eine operative geschlechtsangleichende Maßnahme nachweisbar den psychischen Leidensdruck, kann die GKV die Kosten dafür übernehmen.

Alternative Methoden

Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse umfasst ­inzwischen nicht mehr nur medizinische Hilfe. Auch alternative Behandlungsmethoden gehören dazu. Zum Beispiel Akupunktur – aber nur bei chronischen Knie- und Rückenschmerzen. Methoden wie Eigenblut-, Sauerstoff- oder Magnetfeldtherapie werden grundsätzlich nicht unterstützt. Im Rahmen des Wett­bewerbs ­unter den Kassen erstatten oder bezuschussen diese jedoch unter bestimmten Voraussetzungen auch Osteo­pathie, autogenes Training und traditionelle chine­sische Medizin. ­Informieren Sie sich vorab bei ­Ihrer Krankenversicherung.

Unterstützung im Haushalt

Staubflocken auf dem Boden, Wäscheberge im Keller, und niemand kann die Kinder von der Schule abholen. Fällt ein Elternteil aufgrund einer ­Erkrankung aus, kann schnell Chaos herrschen. Eine Hilfe im Haushalt wäre die Lösung. Darauf haben Ver­sicherte unter bestimmten Voraussetzungen laut Sozial­­gesetzbuch auch Anspruch: wenn die "haushaltsführende Person" krankheitsbedingt ausfällt, mindestens ein Kind unter zwölf Jahren im Haushalt lebt und niemand die Haus­arbeit erledigen kann. Sind ­diese Voraussetzungen erfüllt, können Sie bei der Krankenkasse ­einen Antrag auf Haushaltshilfe stellen. Auch hier unterscheiden sich die Leistungen der Kassen wettbewerbsbedingt. Informieren Sie sich vorab bei der Versicherung, welche Art Hilfe Sie bekommen können.

Sehhilfen

Sehhilfen gehören nicht zum Leistungskatalog der GKV. Aber es gibt Ausnahmen: Versicherte unter 18 Jahren und sehr stark sehbehinderte Menschen. In diesen Fällen werden die Gläser oder Kontaktlinsen bezuschusst, Gestelle und Pflegezubehör allerdings nicht.



Bildnachweis: Ingram/RYF

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